Pfarre St. Laurentius

Leitgedanken

Im Buch "35 Jahr Miteinander" hat Dr. Herbert Pichler die Leitgedanken von Pfarrer Wilhelm Jansen aus in den Pfarrbriefen von St. Laurentius, die 35 Jahre lang jeden Monat neu inspiriert haben, zusammengefasst.

Hier sind alle Leitgedanken aus den Pfarrbriefen seit Juni 2009 zu finden:

Wunsch für das Jahr

Immer, wenn ich gehe:
Als sei ich
begleitet.
Und das beschwingt.

Immer, wenn ich gehe:
Der Schlag
meines Herzens.
Und der hält den Rhythmus.

Immer, wenn ich gehe:
Ein Schritt
nach dem andern.
Und das bringt voran.

Immer, wenn ich gehe:
Ein Schimmer
von Sinn.
Und der gibt mir Flügel.

Wolfgang Dietrich

Die Ermutigung dieses Gedichtes tut gut in der Unüberschaubarkeit des neuen Jahres. Sie vermittelt Gewissheit und Zuversicht auch für das, was heute noch im Dunkeln liegt.
Auch wenn er nie genannt wird, ahnen wir doch aus allen Zeilen die treue Sorge unseres Schöpfers, der uns die Zeit zu leben gibt, aber auch alles, was sie uns bestehen lässt.

Josef Voß

Oecher Fasteleer

Oecher Fasteleer

Wer einmal in Aachen war,
der findet es wunderbar.

Denn hier macht sich jetzt (fast) jeder bereit:
es naht die fünfte Jahreszeit.

Horbacher Freunde und Koe Jonge,
jetzt wird jedanzt än ouch jespronge.

Trübsal und Sorge sollen etwas schwinden,
Freude und Heiterkeit soll jede(r) finden.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei,
dann werden wir für Tieferes frei.

Mehr Besinnung, weniger Hasten,
das tut uns gut - und auch das Fasten.

Auf Ostern unser Blick sich richtet,
der Herr hat Sünd und Tod vernichtet.

Darauf wollen wir uns besinnen,
mit Ruhe und Einkehr - die kommt von innen.

Zuvor aber stimmt an das Fliegerlied
oder was es an Oecher Leddchere gibt.

Und dass an diesen Tagen niemand einsam ist,
wünscht euch Angelo Scholly, der Organist.

"Aus dem Rahmen fallen"
Anders Sein - Christ Sein

Kennen Sie das? Sie sind mitten in der Arbeit, haben den Kopf voll, sind angespannt, da begegnet Ihnen ein Mensch, der Ihre Hilfe braucht.

Jesus erzählt uns diese Geschichte: Da liegt ein Mensch im Straßengraben - blutig, nackt, halb tot geschlagen. Zwei gehen vorüber: Ein Priester und der Priesterdiener. Ein Fremder hat Mitleid. Er öffnet sein Herz. Für ihn ist das wichtigste dieser Mensch. Er ist "anders", er ist dem Anderen der Nächste. Die zwei, die vorübergingen, waren zu stark mit ihren wichtigen Dingen beschäftigt; sie sahen den Armen und sahen ihn doch nicht.

Jesus hält uns, den Verantwortlichen in der Kirche, den Spiegel vor: Wovon sind eure Herzen, eure Köpfe voll? Von der Frage, welche Pfarrgemeinde mit welcher fusioniert oder kooperiert, wie alles organisiert, finanziert wird? Wie und mit wem wir Gottesdienste feiern und wie sie gestaltet werden? Ist nur dafür Raum? Aber was ist dann mit dem Einsamen, den Suchenden, denen, die unter die Räuber gefallen sind? Gehen wir vorüber an den Menschen, die unsere Hilfe oder unsere Nähe brauchen?

Die Zeit vor Ostern lädt uns ein, dass wir uns von dieser Geschichte herausfordern lassen, um Augen und Ohren zu bekommen, damit wir nicht nur wahrnehmen, sondern auch danach handeln. Dadurch können wir ein Leben gewinnen, das anders ist, aus dem Rahmen fällt. Ein Satz von Dorothee Sölle zur Stärkung: "Christ sein bedeutet das Recht, ein anderer zu werden."

Christa Baggen

Sprengsatz für unsere Gräber

Bedrängt von der eigenen Vergeblichkeit, suche ich nach dem, der das Grab der Frustration sprengt.
Umkesselt von Horrormeldungen des Missbrauchs, suche ich nach dem, der das Grab der Schuld sprengt.
Eingeschüchtert durch das Nachlassen der körperlichen und seelischen Kräfte, suche ich nach dem, der das Grab der Angst sprengt.
Gestresst durch die vielen Verpflichtungen und Anforderungen, suche ich nach dem, der das Grab der Überforderung sprengt.
Ostern ist der Sprengsatz.
Gott sprengt den Tod, damit Jesus von Nazaret aus dem Grab ersteht.
Der Geschundene Gottes, der für die Menschen Aufgebrauchte - lebt.
Ostern ist der Sprengsatz für unsere Gräber.
Nein, wir kommen in diesem Leben nicht ungeschoren davon. Und wir wissen nicht, für wen und wie lange wir uns noch aufbrauchen lassen müssen. Doch unser Leben wird überleben. Es wird in den Gräbern dieser Welt nicht umkommen.
Ostern gibt uns dafür das Signal und das Versprechen Gottes.

Josef Voß

Komm heilger Geist, der Leben schafft

In diesem Monat feiern wir Pfingsten - das Fest, das so viel schwieriger zu erfassen ist als Weihnachten oder Ostern. Sieben Gaben des Geistes wollen uns "be-geist-ern".
Der Geist der Weisheit soll uns helfen, Entscheidungen mit Bedacht zu treffen, vielleicht im Vorfeld schon Folgen abzusehen und so unsere Schritte gut zu überdenken.
Der Geist des Verstandes und der Einsicht ist es, der uns Fehler erkennen lässt, der uns aber auch hilft, das Gute wieder in den Blick zu nehmen.
Der Rat ist die Gabe des Geistes, die ähnlich einem Navigationssystem sagen will "Kehre um" oder "hier ist eine Sackgasse". Die Entscheidung, dann auch wirklich umzukehren oder doch auf dem alten Weg zu bleiben, die liegt bei uns.
Der Geist der Stärke hilft uns, auch in schwierigen Zeiten zu sich zu stehen: zu seinem Leben, zum Glauben auch in Krisenzeiten, zu seinen Mitmenschen.
Die Erkenntnis (und die Wissenschaft) will uns ermuntern, stets aktiv zu bleiben, wenn es darum geht, für das Leben zu lernen.
Der Geist der Frömmigkeit sagt uns: Glaube braucht auch Training. Ein Ge-dank-e an Gott für eine gute Mahlzeit, Gottesnähe im Gottesdienst, Glaubensweitergabe an Kinder.
Die Gottesfurcht soll uns keine Angst bereiten. Sicher ist die Zusage: Gott ist bei uns auf unseren Wegen im Leben - auch auf den Umwegen, auch auf Abwegen.
Mit dem Heiligen Geist im Gepäck sagen wir hoffentlich oft: "Ziel erreicht".

Angelo Scholly

Die Kunst, genau hinzuschauen

Viele Missbrauchsfälle wurden in den letzten Wochen aufgedeckt. Auch wenn viele schon lange zurück liegen, ist das gut so. Es wird nicht mehr geschwiegen. In den Medien, Predigten, Verlautbarungen und vielen Gesprächen wird sich damit beschäftigt, wo Menschen in unserer Kirche, in Schulen, Heimen etc. ihr Amt missbraucht haben.

Es wäre doch gut, wenn wir etwas daraus lernen würden. Notwendig ist es dann, nach meiner Meinung, auf die Opfer, die Kinder, zu schauen und uns weiterhin zu fragen: Wie geht es unseren Kindern heute? Wer die Kleinen, diese unter allen Leuten besonders gesegneten und gefährdeten Menschen, wahrnehmen will, muss nach unten schauen. Wo sind die Kinder? Was ist ihr Glück, was ihre Not? Unter welchen Bedingungen, in welchen Strukturen, werden sie groß? Was geschieht mit ihnen? Sorgen wir uns um die Seelen unserer Kinder?

Damals brachte man die Kinder zu Jesus. Er legte ihnen die Hände auf! Jesus sagte: "Ihnen gehört das Reich Gottes!" Jesus holt sie in die Mitte. Sie sind es die die frohe Botschaft weiter tragen, weniger durch Worte, als durch ihr Dasein.
Für uns, die Erwachsenen, gilt es also, sie genau anzuschauen, um zu entdecken, was es mit dem Himmelreich auf sich hat.

Wenn ich mir das in meiner Alltagssituation sage: Diesen lauten, zappeligen, traurigen, aggressiven Kindern soll das Himmelreich gehören? Kann das sein? Ja, es gehört auch dem nervtötenden, konsumsüchtigen Nachbarsmädchen.

Christa Baggen

Sommerpause

Der Sommer lockt mich ins Freie. In die Natur. An andere Orte. Zu anderen Menschen. In einen anderen Lebensstil.
Der Sommer gibt mir ein wenig Leichtigkeit für mein Leben, die ich aus Kindertagen kenne. Dafür muss ich nicht weit fahren. Das geht auch zu Hause.
Sommerstimmungen haben wir bei uns in Hülle und Fülle: Der Geruch von Heu oder das sich wiegende Getreide im Sommerwind. Die satten Farben in unserer schönen, leicht hügeligen Landschaft. Der Abend auf der Terrasse mit dem bruzzelnden Grillfleisch und dem Zischen beim Öffnen der Flaschen. Das Treffen mit Freunden und Nachbarn zum leichten Schwätzchen.
Der Sommer lädt ein, die Lust am Leben aufzusaugen wie frische Luft.

Der Sommer tut uns gut.
Ich bin so frei - ich mach mal Sommerpause!

Josef Voß

Sehen lernen

Geht es Ihnen auch manchmal so, dass eher die Dinge in Erinnerung bleiben, die nicht so gut gelaufen sind oder die negativ waren?

Aus dem Urlaub zurückgekehrt erzähle ich zunächst von dem Hotel, das nicht so top war wie im Prospekt angepriesen. Vom Abendessen bei Freunden bleiben vielleicht nur die fünf Minuten im Gedächtnis, wo um ein Gesprächsthema ein kleiner Disput entstanden ist. Das Auto fährt seit Jahren super, aber die Reparatur im letzten Monat, das erzähle ich jedem.

Geht Ihnen das auch so? Wie schön ist es, das Glas doch noch halb voll und nicht schon halb leer zu sehen.
Oder sich darüber zu freuen, dass der Urlaub doch vor allem Erholung und neue Eindrücke geschenkt hat.
Wie schön ist es, dass es bei dem Abendessen nicht nur gut geschmeckt hat, sondern dass viele der Gespräche anregend und interessant waren. Und dass das Auto doch eigentlich klasse fährt...
Mich freut die gute Atmosphäre im Gottesdienst im Urlaub, auch wenn ich in der fremden Sprache kaum ein Wort verstehe. Schön, wenn beim Spaziergang in einem anderen Ort die Kirchentüre offen ist.

So möchte ich sehen lernen, was an jedem Tag alles gut läuft: die Freude an der Arbeit, das Glück guter Gesundheit, die Schönheit auch in den kleinen Dingen.
Wo soll es da noch an etwas fehlen?

Angelo Scholly

Darf ein guter Christ wütend sein?

Kennen Sie Wut? Vieles erlebe, sehe oder höre ich in unserer Gesellschaft, in meinem nächsten Umfeld was eine große Wut in mir hervorruft. Vieles verdränge ich, mache es klein. Denn man ist doch immer freundlich, lieb, erträgt vieles, lässt es geschehen.

Darf meine Wut sein? Ein provokantes Zitat von dem kürzlich verstorbenen Regisseur Christoph Schlingensief geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
"Ja, Wut! Ich bin wütend auf diese Grunddepression, die Oberfaulheit, dieses verklemmte Dasein. Mir kommt es vor, als würde ganz Deutschland auf dem Klo sitzen und stöhnen.
Man weiß genau, was passieren muss, damit es endlich mal weitergehen kann, aber der Deutsche sitzt da und schimpft, dass kein Klopapier da ist und deshalb er nicht kann.

Diese Aussage ist hart, provokativ und einseitig und doch berührt sie mich, weil ich auch Wahres darin höre. In unserer Gesellschaft gibt es immer mehr Verlierer und einige, die alles für sich beanspruchen. Eine großartige Vorstellung, dass die Vielen nicht nur Opfer sind, sondern aktiv werden, ihre Wut über die vielen Ungerechtigkeiten öffentlich zeigen.

Oder dass wir Katholiken aufstehen und unsere Wut zeigen, darüber dass die starren Gesetze der Kirche (z.B. Zugang zum Priesteramt) nicht verändert werden. Wenn Menschen (Christen) aufstehen und ihre Wut zeigen, befinden sie sich in guter Gesellschaft. Lesen sie einmal die Bibel. Jesus zeigt seine Wut - mehr als einmal und er handelt. Macht uns das mutiger?

Christa Baggen

Wünsche finden

"Du hast drei Wünsche frei..."
In vielen Märchen gestattet eine gute Fee, Wünsche zu äußern, die erfüllt werden. In den Novemberwochen der Nachdenklichkeit über Menschen und Monate werden wir am Ende den Advent beginnen. Das ist die Zeit des Wünschens.

Welche Lebenswünsche haben Sie? Kennen Sie sie schon? Oder brauchen Sie Zeit, Ihre Wünsche überhaupt erst zu finden?

Mehr als die Kinderwünsche an das Christkind wollen wir die Sehnsüchte aufspüren, die uns auf ein tiefes, gelingendes Leben hin führen. Wünsche nach Annahme oder nach Gelassenheit, Wünsche nach einem klaren Lebensblick, nach neuem Verstehen, Wünsche nach Hilfe bei Entscheidungen, nach Arbeit und damit nach Bestätigung oder nach einer neuen und tragenden Beziehung. Vieles andere noch ist als Wunsch denkbar.

Wir tragen unsere Wünsche Gott an. Er hat versprochen, die Menschen zu begleiten und für sie da zu sein. Wir wollen ihn und uns an dieses Versprechen erinnern.

Ob Gott auch an uns Wünsche hat? Wir werden in der Hl. Schrift lesen, wie Gottes Vorstellungen und sein Angebot eines glücklichen Lebens für uns aussehen. Darauf freuen wir uns. Denn wir möchten Wünsche finden, die weit über unser Leben heute hinausgehen und uns Flügel verleihen.

Josef Voß