Pfarre St. Laurentius

Leitgedanken

Im Buch "35 Jahr Miteinander" hat Dr. Herbert Pichler die Leitgedanken von Pfarrer Wilhelm Jansen aus in den Pfarrbriefen von St. Laurentius, die 35 Jahre lang jeden Monat neu inspiriert haben, zusammengefasst.

Hier sind alle Leitgedanken aus den Pfarrbriefen seit Juni 2009 zu finden:

Jahreswechsel

Liebe Gemeinde,

wieder ein neues Jahr. Der Moment des Jahreswechsels ist doch immer wieder ein ganz besonderer: Die Schwelle zwischen dem Vergangenen und dem Zukünftigen. Die Höhen und Tiefen des ablaufenden Jahres, aber auch unsere guten Vorsätze, sowie Pläne und Sorgen für das Kommende fordern unsere Aufmerksamkeit.

Diesen Moment zwischen Vergangenheit und Zukunft nennen wir Gegenwart. Ein sehr spannendes Wort, denn seine Bedeutung ist kaum fassbar: Fangen wir an, über die Gegenwart nachzudenken, wird sie bereits zur Vergangenheit, und versuchen wir ihr vorauszugreifen, so fischen wir im Trüben der Zukunft. Genau genommen stehen wir also jeden Moment unseres Lebens an dieser „Neujahrs”-Schwelle. Da kann man sich fragen: Wie schaffe ich es, ganz in der Gegenwart zu leben, ganz im Hier und Jetzt zu sein? Das ist eine Kunst für sich. Ein Antwortversuch:

Pusteblume

Lass die Gegenwart nicht zur Vergangenheit werden, die du bedauern müsstest.
Belass die Gegenwart nicht in der Zukunft, wo sie nur eine von vielen Möglichkeiten ist.
Lass die Gegenwart zur liebevollen Begegnung werden, die frei von Bedauern und Sorgen ist.

Ich wünsche Ihnen und Euch für das kommende Jahr schöne Erinnerungen, freudige Hoffnung und ganz viele liebevolle Begegnungen – mit Gott und der Welt.

Ruth Quix
(Gemeindeassistentin St. Heinrich, St. Martinus und St. Laurentius)

Närrische Zeiten
Alaaf und Halleluja

Die einen feiern tüchtig Karneval mit viel Alaaf und Helau. Andere flüchten eher davor und suchen Abstand in Ruhe, Einsamkeit, Urlaub oder versuchen auch, den Alltag in der einfachen Normalität weiterzuleben.

Für diejenigen, die den Karneval so richtig feiern, steht am Aschermittwoch dann abrupt wieder der Alltag an: Besten­falls geht dies einher mit einer Rückbesinnung auf das Wesentliche im Leben. Das Ablegen der Masken kann zwar bitter sein, bietet aber oftmals auch ungeahnte Chancen.

Ausgelassenheit und Rückbesinnung, Karneval und Fasten­zeit müssen keine Gegenspieler sein. In diesem Spannungs­feld kann sich ein überraschend neuer Blick auftun, der uns die Dinge des Lebens in ihrer Bedeutung besser erschließen lässt.

Ich wünsche uns allen, dass ausgehend von unserem mög­lichen freudigen Alaaf und Helau an Karneval über die Stille und Rückbesinnung in der Fastenzeit später ein österlich jubelndes Halleluja erklingen kann.

Gregor Jeub
(Kirchenmusiker in St. Laurentius)

Gold
Gold fasziniert
Gold ist wertvoll

Ein großer Klumpen Gold.
Die Mitte des Hungertuches in den Kirchen.
Gold und Fastenzeit: Was für ein Kontrast!

Fastenzeit – goldene Zeiten?
Fastenrausch – Goldrausch?

Hungertuch

Ja.
Gold ist ein Schatz.
Gott ist ein Schatz.
Gott wertvoll wie Gold.
Und noch mehr.
Wer Gold sucht, in der Fastenzeit,
findet Gott, in seiner Lebenszeit.

Nein.
Nicht an der Börse.
In seinem Gewissen.
In seinem Glauben.
In seinem Leben mit den Menschen.

Goldene Zeiten!


Pfarrer Josef Voß

Warum verzweifeln?

Hoffnung

„Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln!” (Dietrich Bonhoeffer, 1906 - 1945)

Seit Jesu Auferstehung hat dieses Leben eine neue Perspektive.
Wir schauen aus dem Leben durch den Tod neu auf das Leben.

Für mich bedeutet dies, immer und ganz aufgehoben zu sein in Gottes allumfassendem, also ewigem Leben.

Wenn mit dem Tod alles zu Ende wäre, müssten wir unsere Hoffnungen begraben.
Wer aber seine Hoffnungen begräbt, lebt ein trostloses Leben.

„Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln!”

Mich lädt Ostern zum Hoffen und zu großer Freude ein.
Ostern schenkt dem Leben Sinn, sogar über das Sterben hinaus.

Diese Osterfreude wünsche ich mir für alle unsere Verstorbenen.
Diese Osterfreude wünsche ich mir für mich.
Diese Osterfreude wünsche ich dir für dich.

Wir wünschen allen eine frohe und gesegnete Osterzeit!

Wolfgang Oellers
(Gemeindereferent St. Laurentius)

Geistesgaben

Im letzten Monat wurden Jugendliche unserer Gemeinden gefirmt, in diesem Monat ist Pfingsten. Mir kamen da noch einmal die sieben Gaben des Heiligen Geistes in den Sinn, die ich noch einmal bedacht habe...

rote Flamme

Um Weisheit möchte ich bitten, um gute Entscheidungen zu treffen und auf den Rat von Menschen zu hören, die es gut meinen – und nicht zuletzt auf einen Hinweis Gottes in meinem Leben.

rote Flamme

Um Einsicht möchte ich bitten, wenn Entscheidungen schwerfallen oder Unklarheiten im Weg stehen.

rote Flamme

Auf Rat möchte ich hoffen, wenn „guter Rat teuer” ist und ich meinen eigenen Kopf durchsetzen will.

rote Flamme

Immer mehr Erkenntnis möchte ich erlangen, indem ich mich nicht bequem zurücklehne, sondern mir mehr Sachverstand in vielen Dingen aneigne.

rote Flamme

Mehr Stärke hilft mir, auch in Zeiten heftigen Gegenwindes in der Kirche Position zu beziehen.

rote Flamme

Das alte Wort der Frömmigkeit könnte heute auch „Training” heißen, tätige Teilnahme am Leben der Gemeinde, um fit zu bleiben – Workout für die Seele.

rote Flamme

Die Gottesfurcht heißt für mich: angstfreier Respekt vor einem Gott, der Liebe ist und der Begleiter im Leben sein will.

Angelo Scholly
(Kirchenmusiker)

EINFACH

EINFACH niederschreiben, was man denkt.
EINFACH sagen, wie es einem geht.
EINFACH zeigen, was man fühlt.

EINFACH gehen, soweit man den Weg sehen kann.
EINFACH fragen, was man nicht sicher weiß.
EINFACH tun, was im Moment richtig erscheint.

Etwas Neues riskieren, EINFACH um es auszuprobieren.
Etwas Schwieriges wagen, EINFACH um zu sehen, was man alles kann.
Etwas Kleines versuchen, EINFACH um sich selbst zu verwirklichen.

Was ist schon EINFACH?
Sind wir nicht EIGENTLICH einfach?
Ist einfach nicht oft DAS BESTE?!

Ruth Quix
(Gemeindeassistentin St. Laurentius)

einfach

OASE

„…ein bewohnter Ort, ein Vegetationsfleck in der Wüste, üblicherweise an einer Quelle oder Wasserstelle…”(Wikipedia)

Wie schön, wenn wir auch Kraft tanken an den vielen anderen Oasen, die wir vor allem in der Sommerpause pflegen und entdecken dürfen:

Palme

Beim Nächsten, der Familie oder den Mitmenschen,
in einer echten Begegnung oder einem guten Gespräch,
in Gottes schöner Natur und Schöpfung,
an einem Lieblingsort oder einem Ort der Besinnung,
in schöner Musik oder guter Literatur,
bei einer köstlichen Mahlzeit,
in der Hilfeleistung am Anderen,
im Nichtstun und einfachen Dasein vor Gott
und, und, und…

Der 23. Psalm sagt:
„Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen und
mich zum Ruheplatz am Wasser.”

Es lohnt sich, dieser Verheißung zu vertrauen und unsere individuellen Oasen in den Alltag hinüber zu retten.

Gregor Jeub
(Kirchenmusiker St. Laurentius)

Nicht mehr vor Weihnachten

Vor kurzem hat erst das neue Schuljahr begonnen und schon zählen wir die Wochen bis zu den Herbstferien. Dabei scheint der erste Advent schon in greifbarer Nähe zu sein. Und wie in jedem Jahr heißt es dann wieder: „Nicht mehr vor Weihnachten”.

Was ist der heutige Tag eigentlich für ein Tag? Im Schuljahr – im Kalenderjahr – im Kirchenjahr – im Lebensjahr? Täglich stehen uns 86.400 Sekunden zur Verfügung. Es ist geschenkte Zeit, nicht verdiente oder gar erwirtschaftete Zeit. Jeder von uns hat heute diese stattliche Zeitsumme erhalten – auch derjenige, der behauptet, er habe gar keine Zeit. 86.400 Sekunden – das ist heute meine Aufgabe, dieses Zeitkonto zu verwalten. Carpe diem, wörtlich: Pflücke den Tag - mit diesem Appell ermutigt uns der Dichter Horaz, uns diese Aufgabe nicht aus der Hand nehmen zu lassen, sondern das Leben zu lieben - mit seinen Aufgaben, seinen Begegnungen, seinen Menschen – mit Gott.

Gerlinde Lohmann
(Gemeindereferentin)

…ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen…
(Mt 25, 31-46)

Willkommen!

Deutschland erlebt zurzeit die größte Flüchtlingswelle seit dem 2. Weltkrieg. Menschen fliehen aus ihrer Heimat vor Krieg, Diskriminierung und Terror. In ihrer Not versuchen sie, sich mit Hilfe von Schlepperbanden unter lebensgefährlichen Bedingungen zu retten.

Wir wollen diesen Menschen in Not anständig und mit einer guten Willkommens-Kultur entgegenkommen. Wir sagen NEIN zu Gewalt, Vorurteilen und zu stumpfsinnigem Hass gegen Menschen, die der menschengemachten Not in ihren Heimatländern entkommen müssen.

Willkommen!

Viele Menschen bei uns haben auch selbst erlebt, wie es ist, wenn man in seiner neuen Heimat nicht willkommen ist. Solche Erfahrungen darf heute keiner mehr bei uns machen müssen! Wir wollen deshalb mit vielen anderen Menschen ein deutliches Zeichen setzen:

„W” wie „Willkommen!”

in Solidarität, Menschlichkeit und Toleranz im Umgang mit Flüchtlingen!

Norbert Becker
(Vorsitzender des GdG-Rates und Mitglied der Gemeindeleitung St. Martinus)

Willkommen!

NOVEMBERgedenken

Willkommen!

Die Tage werden kürzer, dunkler, kälter.
Der erste Schnee ist bereits gefallen.

Vorbei die Ernte, die Mühen des Rasenmähens, die Treffen am Grünabfallcontainer, …
Die Natur und wir Menschen stellen uns auf den Winter um, der Lebensrhythmus verändert sich. Im Kirchenjahr greift eine „Endzeitstimmung” um sich, bevor am Ende des Monats der Advent beginnt.

Beim Vertikutieren im Garten überfiel mich plötzlich der Psalm 103:
„Des Menschen Tage sind wie Gras, er blüht wie die Blume des Feldes. Fährt der Wind darüber, ist sie dahin; der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr. Doch die Huld des Herrn währt immer und ewig.”

Diese Hoffnung schlummert in mir, sie prägt mich und sie trägt mich – gerade in diesen dunkleren Tagen, die auch Zeiten des Totengedenkens sind. Unsere lieben Vorausgegangenen sind unvergessen.
Unser Glaube vertraut auf Gottes Huld über den Tod hinaus. Es lohnt sich bei dieser Gelegenheit, den Begriff „Huld” noch einmal nachzuschlagen…

Wolfgang Oellers
(Gemeindereferent)

Wunschzettel

Liebes Christkind,

ich wünsche mir so vieles in diesem Jahr:

Wunsch

für die Kirche: eine Leitung, die sich tolerant und lebendig zeigt und erkennt, dass zu viel Starrheit nicht mehr weiterführen kann,

für unser Bistum: einen neuen Bischof, der die Offenheit seines Vorgängers fortführt und von Gegenwind nicht erschüttert wird,

für unsere Gemeinden hier vor Ort: Menschen, die fröhlich ihren Glauben feiern, die Probleme anpacken und in Wort und Tat Zeugnis von deiner Geburt und deinem Leben abgeben,

für unserer Ortsteile: dass wir in den ankommenden Flüchtlingen nicht nur Anlass zur Sorge und Angst vor dem Fremden sehen, sondern auch Hoffnung auf eine vielfältige und bunte Zukunft,

für unser Land: dass uns Frieden, Wohlergehen, die Möglichkeit der Bildung und der guten Versorgung erhalten bleiben in einer Zeit, in der das nicht selbstverständlich ist,

und auch für mich: ein paar kleine Gaben würden mich auch in diesem Jahr erfreuen.

Liebes Christkind,

ich weiß, dass nicht alle Wünsche immer erfüllt werden können – und doch hoffe ich es so sehr.

Wir sehen uns – bei Deinem Fest !!

Dein Angelo Scholly
(Kirchenmusiker)