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Unglaubliches Kirchenchorjubiläum

Frau Neuss

Ja, man kann es kaum glauben. Maritta Neuß ist am Ostersonntag 75 Jahre aktives Mitglied im Kirchenchor St. Laurentius. Ostern, am 1. April 1945, sang sie zum ersten Mal mit dem Chor in der Kirche St. Laurentius und hat seither keine Probe versäumt außer bei Krankheit oder Reisen. Während des Krieges war der 1874 gegründete Männerchor zu einem gemischten Chor geworden, da die Männer im Krieg waren. Der Krieg hat auch ihre Kindheit geprägt und die Frage an ihre Mutter in dieser Zeit: „Fliegen auch Flugzeuge einfach so, ohne Bomben abzuwerfen?”, lässt ihre Erlebnisse als Zeitzeugin deutlich werden. Am 1. April 1945 war in Aachen der Krieg vorbei, im Ruhrgebiet hatten die Amerikaner den Ruhrkessel geschlossen und die Schlacht um Berlin stand noch bevor.

Nicht verschwiegen werden soll auch der Versuch der Männer, die in den folgenden Jahren aus der Gefangenschaft zurückkehrten, den Chor wieder zu einem reinen Männerchor zu machen. „Nicht mit uns, da haben wir uns gewehrt. Da ließen wir uns nicht mehr vertreiben”, so Maritta Neuß. Auf einem Bild von 1948 hatte der nunmehr gemischte Chor 50 Mitglieder. Heute hat der Chor unter der Leitung des Kantors Gregor Jeub über 100 Mitglieder und ist zusammen mit dem Kammerorchester der Pfarrei St. Laurentius zu einer viel beachteten Adresse im Aachener Musikgeschehen geworden. Maritta Neuß erlebt diese Blütezeit des Chores mit Dankbarkeit und sie erinnert sich gerne an die vielen Konzerte und Reisen des Chores. Ihr ist die Gemeinschaft des Chores ans Herz gewachsen, und ihre freundliche Ausstrahlung ist eine große Bereicherung für alle. Sie hat in den 75 Jahren der Nachkriegszeit 66 Messordinarien und viele große Konzertwerke als Sopranistin in ihr gesangliches Repertoire aufgenommen – eine beachtliche Leistung, was keiner der Gratulanten des Chores von sich sagen kann.

Die Gratulation des Chores zum unglaublichen Jubiläum sollte ein Feuerwerk werden. Geplant war, dass nach dem feierlichen Hochamt in der Laurentiuskirche das „Halleluja” aus dem „Messias” von G. F. Händel als „Geburtstagsständchen” musikalisch erstrahlen sollte. Zuvor sollte ihre musikalische Lebensleistung durch den Vorsitzenden des Chores gewürdigt und ihr die Urkunde des Cäcilien-Verbandes überreicht werden. Doch in Zeiten von Corona bleibt das Gratulations-Feuerwerk aus. Aber die schriftlichen Glückwünsche der Chormitglieder wurden per Post und Internet gesammelt und ihr am Ostersonntag um 11:00 Uhr überreicht. Die Schriftführerin des Chores Karin Mahr und der Vorsitzende Petrus Rick stellten ihr einen Korb mit den Glückwunschbriefen, einen Blumenstrauß, einen Kuchen, das Geschenk des Chores, die Urkunde und den obligatorischen Osterhasen vor die Haustür. Dann wurde geklingelt, und als sie an der Haustür erschien, ihr mit einer Rede würdig gedankt. Die Überraschung war perfekt. So ist nicht nur die Zeitspanne von 75 Jahren ein epochales Ereignis – auch die Form der Würdigung in Zeiten von Corona mit der vorgeschriebenen Abstandsregel ist epochal.

Petrus Rick